Abteilung Stadtgeschichte

silbervergoldeter Messkelch um 1400


"Abbildung der Stadt und Thumbs Havelberg,
so von den Denmarckischn verlassen und von
den Keys. eingenomen wordn.1627."

Der Kupferstich von 1627 zeigt das im Dreißigjährigen Krieg umkämpfte Havelberg. Neben der Stadt an der Havel sind auch Sandau und Tangermünde aus der Vogelperspektive zu sehen.

Das Gemälde zeigt eine Begebenheit aus der „Franzosenzeit“,
als Havelberg an der Grenze zwischen Preußen und Napoleons Königreich Westphalen lag.

Der Havelberger Maler C. Fedeler (Nr. 10 als Selbstporträt, re. oben)
hat auf dem zeitgenössischen Bild eine Gruppe von Havelberger Bürgern dargestellt, die schadenfroh dem Havelberger Kaufmann Günter (Nr. 1, Mitte, vordere Reihe) „ den Zahn ziehen“. Entweder
wurde er verdächtigt, für die Franzosen zu spionieren oder er galt
als unbelehrbarer Franzosensympathisant.
Bei der Restaurierung im Jahr 2000, unterstützt mit Spendengel-
dern vom Verein „Freunde und Förderer des Prignitz-Museums e.V.“, galt es unter anderem, Risse und Löcher der Leinwand zu schließen, die vorhandene Malschicht zu festigen, Fehlstellen zu kitten und mit Farbe zu retuschieren.

Modell des Heckraddampfers "Neptun"


Schifferkneipenmobiliar Anfang des 20. Jh.


Stadtgeschichte

Die Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt Havelberg beinhaltet 26 Themen von der Gründung des Bistums bis zur jüngst vergangenen "Wende". Der rund 330 m² große Saal befindet sich im Südflügel der ehemaligen Klosteranlage. Er diente zu Klosterzeiten anfangs vermutlich als Schlafsaal und später als Wohnraum des Bischofs. Große Fenster gewähren einen Blick auf die Stadt, deren Geschichte in diesem Raum lebendig wird.

Burg und Burgort Havelberg entstanden Mitte des 10. Jh. mit Errichtung des Bischofssitzes an der Stelle eines slawischen Hauptortes. 983 zerstört und wieder slawisch, kann der Bischofssitz erst nach dem Slawenkreuzzug von 1147 wiedererrichtet werden. Im Schutze der Bischofsburg siedelten sich um 1150 deutsche Händler, Kaufleute und Handwerker auf der Insel unterhalb des Domberges an. Um 1160 scheint die Inselsiedlung bereits Stadtrecht erhalten zu haben und gehörte den Markgrafen von Brandenburg, während die Siedlung um den Dom bischöfliches Eigentum blieb. Bedeutsam für die wirtschaftliche Entwicklung der jungen Stadt waren der Fernhandel - über die Handelsstraße Magdeburg-Lübeck sowie die Flußläufe der Elbe und der Havel - und die Zugehörigkeit zur Hanse seit 1319. Die günstige Lage der Stadt an Havel und Elbe und deren Fischreichtum ließen Schifffahrt, Schiff- und Bootsbau und Fischerei zu tragenden Wirtschaftszweigen werden.
Während des Dreißigjährigen Krieges zerstörten dänische und kaiserliche Truppen die Stadtinsel. Bald nach dem Wiederaufbau ließ der große Kurfürst Friedrich Wilhelm eine Werft in Havelberg errichten, auf der 15 seetüchtige Schiffe für die Brandenburgische Flotte gebaut wurden. Die damit begonnene Schiffbautradition setzte sich später mit einer königlichen Seeschiffswerft und im 19. Jh. mit privaten Werften fort.
Das diplomatische Treffen zwischen Zar Peter I. und dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. fand im November 1716 in Havelberg statt und sollte eine Wende im Nordischen Krieg herbeiführen. Zu den bei derartigen Treffen üblichen Geschenken gehörte das legendäre Bernsteinzimmer.
Zu einer Soldatenstadt wurde Havelberg bereits 1685 mit der Einrichtung der Garnison. Erste Kasernen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts. In der heutigen Elb-Havel-Kaserne sind rund 1500 Soldaten stationiert.
Bis zu den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts waren neben den Werften Schifffahrt und Ziegelindustrie für Havelberg bedeutsam. 10 Ziegeleien produzierten Steine größtenteils für Berlin. Für die Schifffahrt zwischen Hamburg und Berlin lag Havelberg günstig als Feierabendplatz. Die Schiffer versorgten sich im Ort und trafen sich in den zahlreichen Kneipen auf der Stadtinsel. Ein Eisenbahnanschluss existierte 1890 bis 1971.
Im Winter 1870 vernichtete ein großer Brand rund 80 Häuser auf der Inselstadt. Nach der Eingemeindung des Domes und der Bergdörfer 1876 in die Stadt zählte Havelberg rund 5000 Einwohner.
Die Regulierung des Zusammenflusses von Havel und Elbe mit dem Bau einer Schleuse bei Havelberg war eines der größten Projekte im 20. Jahrhundert. Zwischen 1952 und 1994 war Havelberg Kreisstadt eines Kreises zwischen Havel und Elbe im Bezirk Magdeburg und gehört heute mit seinen rund 6500 Einwohnern zum Land Sachsen-Anhalt.

Modell der Stadt Havelberg um 1800


Themen der Stadtgeschichte

Die Stadt im Schatten des Domkapitels
Die Stadtentstehung unter Bischöfen und Markgrafen

Religiösität in Havelberg bis zur Reformation
Hanse, Rat, Bürger und Gilden in Havelberg

Boots- und Schiffbau in Havelberg
Fischfang und Fischhandel
Schifffahrt auf Havel und Elbe

Die Zerstörung Havelbergs im Dreißigjährigen Krieg
Havelberger Gewerke im 18. Jahrhundert
Havelberg als Schauplatz europäischer Diplomatie
Bahn- und Schiffsverkehr in Havelberg

Kriegsinternierte in Havelberg 1914-1921

Zwangsarbeit für die Dynamit-AG 1944-1945

Der Havelberger Pferdemarkt als Volksfest
Die Havelberger Tonindustrie
Topografische Besonderheiten Havelbergs
Juden in Havelberg
Das Leben an Havel und Elbe
Transport zu Lande und zu Wasser
Havelberg in napoleonischer Zeit

Der Große Brand von 1870
Havelberg als Garnisonsstadt
Die Regulierung der unteren Havel 1931-1956

Die untere Havel vor und nach der Regulierung
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Die brandenburgische Stadt Havelberg im Bezirk Magdeburg und in Sachsen-Anhalt



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